
Über mich
Ich bin Jessica Greve, Sozialpädagogin (M.A.) und approbierte Kinder- und Jugendlichenpsychotherapeutin für Verhaltenstherapie in Deutschland mit Erfahrungen sowohl in der ambulanten Behandlung, als auch im klinischen Bereich.
Für mich der Beruf, der mich von Herzen erfüllt und schon immer fasziniert hat.
Fun Fact: Diese Faszination kann ich ziemlich genau zurückdatieren.
Ich war 8 Jahre alt und circa ein halbes Jahr lang nicht zur Schule gegangen, da ich an einem gutartigen Hirntumor litt, der operiert wurde. Glücklicherweise wieder gesund im Schulleben angekommen, litt ich unter Ängsten, da ich viel verpasst hatte. Besonders im Fach Mathe und im Umgang mit meinen MitschülerInnen, litt ich unter einem Mangel von Selbstvertrauen und Selbstsicherheit. Kurzum- mit meinen mittlerweile 9 Jahren eröffnete ich meinen Eltern dass ich zu einem Psychologen gehen möchte. Zu der Zeit und in dem frühen Alter…meine Eltern waren baff 😊 Dann kam einer der ersten Termine und meine Mutter holte mich im Auto früher von der Schule ab. Während der halben Stunde Autofahrt lief eine Kassette (ja, genau, die Dinger, die viele nicht mehr kennen 😊 ). Es war eine Entspannungsmusik mit Delfinen und Unterwassergeräuschen. Ich merkte, dass ich irgendwie in einen Wach- und gleichzeitig Schlafzustand rutschte. Überrascht horchte ich in mich rein. Ich hörte alles um mich herum und war definitiv nicht wach. Aber irgendwie war ich in mir drin und, ja- entspannt! Die Psychologin sah etwas aus, wie meine Lehrerin und hatte einen ähnlichen Tonschlag. Normalerweise ein Kriterium für mich direkt wieder zur Tür hinauszugehen. Ich blieb und liess mir, weiterhin entspannt, einen Mathetest vor die Nase legen- das wäre dann normalerweise die Autotür gewesen, die ich zusätzlich zugeschlagen hätte…
Nö, ich war tiefenentspannt und dacht so etwas, wie „Mach ich halt mal mit. Ist sowieso kein echter Test und wenn ich schlecht abschneide, dann sieht sie wenigstens, dass ich Hilfe brauche“. Dann in der nächsten Sitzung die Nachricht: „Du hast überhaupt keine Fehler gemacht…“. Jetzt war ich es, die baff war.
Das „baff sein“ und diese Faszination dafür, was ich an dem Tag erlebt habe, die haben mich bis ins Heute begleitet. Und sie begegnen mir immer wieder, wenn ich Menschen auf ihren Wegen begleiten darf. Wenn neue Hobbies, wie eine Kampfsportart, ein komplettes Leben eines Drogenabhängigen wieder auf die „richtige“ Bahn lenken kann. Wenn eine neue Sprache und ein „neues Leben“ einem sogenannten „Problemkind“ zu einem völlig neuen Selbstbild und Selbstvertrauen verhilft, sodass es sich nun erfolgreich in einer Ausbildung in Deutschland entfalten darf und den Traum hegt danach wieder zurückzukommen…
…und schließlich meine eigene Erkenntnis, dass ich mich in meinem heutigen Leben zu Hause angekommen fühlen darf. Obwohl ich eine beinharte Ausbildung absolviert habe, die aufgrund meines jetzigen Wohnsitzes nicht 1-1 so ausgeübt werden darf, wie in Deutschland. Aber ich darf jeden Morgen mit einem Lächeln aufstehen, meinen Hunden einen Guten-Morgen-Kuss geben und gemächlich bei einem Spaziergang mit ihnen in den Tag starten. Mich an den PC setzen und die verschiedensten Menschen auf ihren Wegen in ihr eigenes Zuhause begleiten 😊. Dafür bin ich von Herzen dankbar.
Mein Weg
Zunächst studierte ich in den Niederlanden Soziale Arbeit/ Sozialpädagogik und absolvierte einen Zusatzkurs in psychologischer/psychiatrischer Diagnostik. Frisch im Berufsleben entschied ich mich dazu zunächst Berufserfahrung sammeln zu wollen, bevor ich die Ausbildung zur Kinder- und Jugendlichenpsychotherapeutin machen wollte. Ich begleitete Menschen mit psychiatrischen Störungsbildern im betreuten Wohnen. Dann habe ich einige Jahre in der Suchtberatung mit erwachsenen Suchtmittelabhängigen in Berlin gearbeitet. Ich entschied mich schließlich dazu den Master in „Forschung in der sozialen Arbeit“ zu absolvieren und zeitgleich die Ausbildung zur Psychotherapeutin zu beginnen.
Während der Ausbildung folgte eine erste Tätigkeit als Kinder- und Jugendlichenpsychotherapeutin in einem Lerntherapie- Zentrum. Dann wechselte ich in die ambulante Versorgung und schließlich lebte ich ein halbes Jahr als Sozialpädagogin und Kinder- und Jugendlichenpsychotherapeutin in Spanien. Nach einem weiteren Jahr in einem tagesklinischen Setting in Deutschland, zog es mich nach El Salvador. An eine deutsche Schule und nebenbei entstanden kleine Projekte, auf freiwilliger Basis, mit Kindern und Jugendlichen im 1:1 Kontakt.
Wenn ihr mehr über mich und meinen Werdegang erfahren möchtet, dann freue ich mich euch meine genommenen Routen und Richtungswechsel noch etwas genauer zu beschreiben. Klickt dafür gerne auf die erweiterte Version.
Die erweiterte Version: meine Routen und Richtungswechsel
Ich glaube das erste Mal von der englischen Sprache fasziniert war ich, als ich in der 5. Klasse auf eine neue Schule wechselte und ein Jahr Französischunterricht bei einer schrecklichen Klassenlehrerin ausgehalten habe. In den Ferien davor hatte ich eine US-amerikanische Missionarsgruppe auf einem Campingplatz kennengelernt. Einige nur wenig älter als ich, andere bis zu 60 Jahre alt. Meine dortige „Französisch-Phobie“ hatte eine „Englisch-Manie“ bei mir ausgelöst und ich war in der elften Klasse überglücklich ein Schuljahr lang in den USA. Gleichzeitig fiel mir dort das erste Mal im Leben auf, dass „fremd sein“ in einem Land mehr bedeutet, als die Sprache zu beherrschen. Der US-Amerikaner sagt: „How you doing?“(Wie geht´s?) und bis heute fällt es mir schwer die Worte für mich so zu übersetzen, wie sie gemeint sind: „Hi“. Der vorbeigehende Fußgänger wollte weder, dass ich ihm erzähle warum ich heute schlecht geschlafen hatte, noch wollte er wissen, dass ich gestern im Kino war.
Von dem Moment an war ich fasziniert von dieser Brücke, die sich zwischen meinem eigenen Innenleben und Gefühlen, Sprache, Kultur der anderen und meiner eigenen, unbewusst aufgesogenen Kultur so alles erleben lässt.
Ich studierte für meinen Bachelor in den Niederlanden und lernte die Niederländische Sprache. Beobachtete mich, dass ich mich anders wahrnehme, als in meinem Heimatland. Ich fühlte mich „anders“ obwohl jeder Mensch in jeder Situation „jemand anderes“ ist. Mit zu der Zeit nicht allzu hoch ausgestattetem Selbstwertgefühl und einer Neigung Präsentationen vor Gruppen vermeiden zu wollen, haben „Ich“ und das „Anders-Gefühl“ leider einiges an Zeit zusammen verbringen müssen. Trotzdem genoss ich es, dass ich das Gefühl hatte die richtige Studienwahl getroffen zu haben.
Nach dem Studium wieder in der alten Heimat angekommen merkte ich, dass ich irgendwie immer noch „anders“ war. Meine eigentliche Heimat oder ich waren anders- oder wir beide.
Mich zog es daher 9 Jahre lang nach Berlin, wo ich viel Freude an dem Multikulti- Miteinander und verschiedenen Lebenswelten hatte. Ich arbeitete in der Suchthilfe mit Substituierten, Spielsüchtigen und Alkoholikern. Es machte mir sehr viel Freude, dennoch frustrierte es mich langsam, dass mir die Erfahrung, das Wissen und die Techniken fehlten, die ich bräuchte, um intensiver mit den Betroffenen zu arbeiten. Gleichzeitig interessierte ich mich sehr für die Arbeit mit Kindern und Jugendlichen, weil ich gesehen habe, wie viel Positives ein einziger, gelungener Kontaktaufbau mit einer Vertrauensperson im Leben für die Jüngeren bedeuten kann. Und wie viel man einem Kind für sein Leben schenken kann, wenn man einfach nur da ist, jeglichen Wutausbruch über sich vom Wutmonster entgehen lässt und danach immer noch da ist und zuhört.
Ich schloss ich die Kinder- und Jugendlichenpsychotherapeuten- Ausbildung dann Anfang des Jahres 2022 ab.
Nach einer langen Lern- und keine Herrenjahre- Zeit trat ich dann meine erste Therapeutenstelle in einem medizinischen Versorgungszentrum an- und war nach drei Monaten wieder raus!! 28 PatientInnen, 30h/ Woche- Vertrag. Einige jugendliche Depressive mit suizidalen Absichten („musst du aufpassen sonst bist du mit halbem Fuß im Knast“). Mindestens eine halbe Stunde pro PatientIn zusätzliche Schreibarbeit. Überforderung mit tausend verschiedenen Abrechnungsweisen, jede Krankenkasse anders. Und eine Chefin, die die Angestellte an Zahlen maß- Ich war völlig desillusioniert, gab mir selber die Schuld und wollte meinen Beruf an den Nagel hängen.
Ich wollte raus. Mein „Anders-sein“ in der Fremde wieder gerne annehmen. Meinen oder wenigstens einen Beruf mit Passion ausführen. Work-life-Balance. Das Innenleben wieder mit der Aussenwelt ins Gleichgewicht bringen.
Ich ging als Sozialpädagogin mit der Option, künftige Jugendliche psychotherapeutisch zu betreuen, nach Spanien. Einzel- oder Kleingruppenbetreuung von deutschen Jugendlichen, die als „Systemspringer“ vom Jugendamt in die Auslandsmaßnahme gesendet wurden. Ich hatte wieder Freude an meinem Beruf, an der Arbeit im Team und in der 1:1 Betreuung. Umso trauriger war ich, als ich nach 6 Monaten noch keine Psychotherapie mit anbieten konnte, das aber natürlich immer mit neuen Jugendlichen zusammenfallen musste.
Zurück in Deutschland suchte ich mir bewusst eine Stelle als Kinder- und Jugendlichenpsychotherapeutin, die zur Schwangerschaftsvertretung ausgeschrieben war. Ich wusste für den Moment, dass ich mich mit der Wahl eines neuen Wohnortes noch nicht festlegen wollte. Das Jahr war fast um und ich beschloss Prioritäten zu setzen. Ich nahm eine Stelle an, bei einer deutschen Schule in El Salvador. Einfach ausprobieren, und mit Glück und Hoffnung bei sich und in sich zu Hause ankommen.
Mein Plan war es, dass ich in dem Jahr schauen wollte, wie ich mich im Land fühle und einen Traum zu verfolgen: mich mit Online- Therapie und Coaching selbstständig zu machen.
Nach dem Jahr war ich sehr glücklich, diesen Schritt gegangen zu sein. Die Psychotherapie und psychologische Beratung fehlten mir sehr, ich hatte einige Kinder außerhalb der Schule auf freiwilliger Basis gecoacht. Aber ich fühlte mich glücklich in der Kultur, mit den Menschen, hatte einen wundervollen Hund, der mit 2 Wochen ausgesetzt worden war und von mir als Flaschenbaby aufgezogen wurde. Und mir wurde bewusst, wie sehr ich mir im Leben einen Hund als Familienmitglied gewünscht hatte. Ich hatte den Wunsch einfach gar nicht mehr wahrgenommen. Mein erwachsener Anteil in mir selbst hatte mir immer ziemlich direkt einen Vogel gezeigt und gesagt „Vergiss es, keine Zeit, kein Garten, kein XY“.
Ich wollte bleiben- und den Schritt in die berufliche- und persönliche- Selbstständigkeit wagen!
Das letzte Jahr verging wie im Flug. Website- Aufbau, Recherchen zu berufsrechtlichen und grundsätzlichen, juristischen Gegebenheiten. Sorge das nächste Mal doch kein „non-permanent visa“ zu bekommen…Fokussierung auf das Hier und Jetzt: Gemeinsamer Spaziergang mit meinen Hunden…zurück an den PC…und tagesformabhängiger Mut, dass ich das alles tatsächlich in die Tat umsetzen kann. Und dann der Gedanke: „Ich mach´s!“😊